Morgens erhielten wir den üblichen Besuch von
Schaulustigen und nach dem Frühstück ging die Fahrt auf
der Wellblechpiste mit ihren riesigen Schlaglöchern
weiter. Langsam änderte sich das Landschaftsbild, mehr
Bäume wuchsen, darunter viele Mangos. Irgendwann
überquerten wir die weiße Volta, d.h. das Flußbett
derselben, denn von Wasser war keine Spur zu entdecken.
Dafür gab es aber entlang der Straße recht viele kleine
künstliche Staubecken, ein Ergebnis der sonst nur selten
sinnvollen Entwicklungshilfe. Die Staubecken sollten
zusammen mit den Aufforstungen die seltenen Niederschläge
zurückhalten und so langfristig den Grundwasserspiegel
anheben.
Die Dörfer durch die wir kamen waren kleine Ansammlungen
von Gehöften. Diese Gehöfte bestehen aus drei bis vier
Lehmhäuschen, die meist rund, mit spitzem Strohdach
versehen und in die umfassende Mauer integriert sind.
Diese bildet einen kreisförmigen Hof, die Heimstatt von
Mensch und Vieh.
Bevor wir Ouagadougou erreichten, wurden wir dreimal an
Kontrollpunkten nach Waffen durchsucht.
In der Hauptstadt von Burkina Faso begaben wir uns als
erstes in das Gästehaus des DED. Dort durften wir duschen
und der Angestellte machte uns einen Obstsalat. Einige
von unserer siebenköpfigen Gruppe schliefen für 10 DM im
Gästehaus.
Am 9. Dezember gingen wir mit Ursel zum Hauptquartier des
DED um zu bezahlen, doch gab es erst mal einen Anpiff,
das ginge nicht, daß Fremde in ihren geheiligten Hallen
nächtigten oder auf ihrem Grund und Boden ihre Autos
abstellten, das sei kein Campingplatz.
Dann auf zur Botschaft von Ghana, dort hieß es, eine
Visaerteilung würde eine Woche dauern. Also eine Woche
Aufenthalt in Ouagadougou.
Bei unserer Stadterkundung trafen wir einen
deutschsprachigen Obervoltaer (ich nehme nicht an, daß
man "Obervoltesen" sagte), von dem wir einen guten Tip
zum kampieren bekamen.
Ouagadougou´s großer Markt, die Seele der Stadt, bot
alles was das Menschenherz begehrte. Avocados, Mangos,
Ananas, Fleisch, Brot, Gemüse, Gewürze,
Fahrradersatzteile... Das Ganze war verpackt in
hektischem Treiben und größeren Ansammlungen von Geiern,
insbesondere in der Nähe des Fleischmarktes traten diese
Tiere gehäuft auf. Von Ouagadougou aus wurde sehr viel
Fleisch in die südlichen Nachbarländer exportiert.
Auch auf den Straßen war ein lebhaftes Treiben zu
beobachten. Eine ungeheure Zahl von Mopeds.
Lumpenbekleidete Menschen die den Abfall nach Essbarem
durchsuchten und schicke glänzende Mercedes Benz
Automobile. Touristenstände und Kinder die Zigaretten und
andere Kleinigkeiten auf einem Kopftablett anboten. Eine
Vielzahl von Uniformierten. Soldaten, Polizisten und
Gendarmen, wohl wegen des kürzlichen Putsches.
Supermärkte und ungeheuer teure Shop`s europäischen
Stil´s. Stinkende Kotwassergräben und klimatisierte
Restaurants. Kinderbanden die klauten wie die Raben (an
Bruno´s Auto wurde ein Seitenfenster eingedrückt und
unser Lagerplatz wurde mehrere Male von Dieben
besucht).
Doch waren die Preise allgemein deutlich niedriger als im
Niger, und so bekam Joachim nach einigem hin und her für
29 000 CFA eine neue Frontscheibe, auch für Brunos VW-Bus
fand sich eine solche. Ein völlig neues Fahrgefühl!
Auch etliche der uns schon aus Niamey her bekannten
angenehmen afrikanischen Disco-Biergärten fanden sich
außerhalb des Zentrums und ein paar Mal fuhren wir abends
wieder in die Stadt um solche zu besuchen. Die
Ausgangssperre machte sich jetzt negativ bemerkbar und
wenn sie auch nicht allzu genau genommen wurde so
gerieten wir doch einmal nach 23 Uhr auf dem Heimweg am
Stadtrand an eine Straßensperre. Das wie so oft
vorausfahrende Fahrzeug von Bruno gab Gas und so blieb
uns nichts weiter übrig als zu folgen. Zwar feuerten die
Gendarmen nicht, aber wohl nicht jeder hat soviel
Glück.
Prädikat: Nicht empfehlenswert!
Hätten wir angehalten und unsere Verspätung mit einer
Reifenpanne entschuldigt wären wir sicher ohne Strafe und
vor allem ohne Risiko davongekommen. Im Niger wäre die
Sache vermutlich anders ausgegangen!
Wir trafen nach ein paar Tagen den deutsch sprechenden
Obervoltaer in einer der von Europäern frequentierten
Kneipen wieder und er lud uns für den Abend in ein
Restaurant ein. Es war ein wenig peinlich zu beobachten
wie er mit den Bediensteten umsprang. Er war Techniker
und verdiente stattliche 1300 DM pro Monat. Geld ist
Macht und die galt es auszukosten.
Der Lagerplatz den er uns empfohlen hatte war
phantastisch, mitten in einem Wald mit vielen Quellen
gelegen der unter Naturschutz stand. Lediglich aus dem
wenige Meter neben dem Platz liegenden Sumpfgelände
stiegen abends Myriaden von Mosquitos auf, gegen die auch
unser großes Feuer nicht viel half. Die Malariaprophylaxe
hatten wir schon im Niger begonnen, als wir zum erstenmal
feuchtere Gebiete erreichten. Wer nach Einbruch der
Dunkelheit nochmal aus den Netzen mußte, war sofort an
ALLEN unbedeckten Körperteilen von Mosquitos
bedeckt.
In der Nähe floß ein klarer Bach mit Gumpen die ideal zum
Baden waren. Überall waren mit Seerosen bewachsene Teiche
verstreut und in den Bäumen sangen große exotische
Vögel.
So ließen wir es uns bei gebratenem Fleisch, Früchten und
Bier tagsüber gut gehen. Da der Wald nahe der Stadt lag
bekamen wir des öfteren Besuch, einmal brachte ein
freundlicher Mann einen Hahn als Cadeau vorbei. Die Diebe
die uns nachts gelegentlich umschlichen waren harmlos und
leicht zu vertreiben, wir mußten lediglich unser Zeug
sicher verwahren.
Am letzten Tag tauchte jedoch ein Förster auf, tadelte
uns ob unseres Frevel´s und verwies uns des Platzes, wir
waren eh gerade beim einpacken. Wir entschuldigten uns,
wie sich das gehört:
"Das haben wir nicht gewußt und das Schild haben wir
leider nicht gesehen!"