1980

Von der Sahel zur Feuchtsavanne

Ouagadougou

In OuagadougouMorgens erhielten wir den üblichen Besuch von Schaulustigen und nach dem Frühstück ging die Fahrt auf der Wellblechpiste mit ihren riesigen Schlaglöchern weiter. Langsam änderte sich das Landschaftsbild, mehr Bäume wuchsen, darunter viele Mangos. Irgendwann überquerten wir die weiße Volta, d.h. das Flußbett derselben, denn von Wasser war keine Spur zu entdecken. Dafür gab es aber entlang der Straße recht viele kleine künstliche Staubecken, ein Ergebnis der sonst nur selten sinnvollen Entwicklungshilfe. Die Staubecken sollten zusammen mit den Aufforstungen die seltenen Niederschläge zurückhalten und so langfristig den Grundwasserspiegel anheben.
Die Dörfer durch die wir kamen waren kleine Ansammlungen von Gehöften. Diese Gehöfte bestehen aus drei bis vier Lehmhäuschen, die meist rund, mit spitzem Strohdach versehen und in die umfassende Mauer integriert sind. Diese bildet einen kreisförmigen Hof, die Heimstatt von Mensch und Vieh.
Bevor wir Ouagadougou erreichten, wurden wir dreimal an Kontrollpunkten nach Waffen durchsucht.

In der Hauptstadt von Burkina Faso begaben wir uns als erstes in das Gästehaus des DED. Dort durften wir duschen und der Angestellte machte uns einen Obstsalat. Einige von unserer siebenköpfigen Gruppe schliefen für 10 DM im Gästehaus.
Am 9. Dezember gingen wir mit Ursel zum Hauptquartier des DED um zu bezahlen, doch gab es erst mal einen Anpiff, das ginge nicht, daß Fremde in ihren geheiligten Hallen nächtigten oder auf ihrem Grund und Boden ihre Autos abstellten, das sei kein Campingplatz.
Dann auf zur Botschaft von Ghana, dort hieß es, eine Visaerteilung würde eine Woche dauern. Also eine Woche Aufenthalt in Ouagadougou.
Bei unserer Stadterkundung trafen wir einen deutschsprachigen Obervoltaer (ich nehme nicht an, daß man "Obervoltesen" sagte), von dem wir einen guten Tip zum kampieren bekamen.

Ouagadougou´s großer Markt, die Seele der Stadt, bot alles was das Menschenherz begehrte. Avocados, Mangos, Ananas, Fleisch, Brot, Gemüse, Gewürze, Fahrradersatzteile... Das Ganze war verpackt in hektischem Treiben und größeren Ansammlungen von Geiern, insbesondere in der Nähe des Fleischmarktes traten diese Tiere gehäuft auf. Von Ouagadougou aus wurde sehr viel Fleisch in die südlichen Nachbarländer exportiert.
Auch auf den Straßen war ein lebhaftes Treiben zu beobachten. Eine ungeheure Zahl von Mopeds. Lumpenbekleidete Menschen die den Abfall nach Essbarem durchsuchten und schicke glänzende Mercedes Benz Automobile. Touristenstände und Kinder die Zigaretten und andere Kleinigkeiten auf einem Kopftablett anboten. Eine Vielzahl von Uniformierten. Soldaten, Polizisten und Gendarmen, wohl wegen des kürzlichen Putsches. Supermärkte und ungeheuer teure Shop`s europäischen Stil´s. Stinkende Kotwassergräben und klimatisierte Restaurants. Kinderbanden die klauten wie die Raben (an Bruno´s Auto wurde ein Seitenfenster eingedrückt und unser Lagerplatz wurde mehrere Male von Dieben besucht).
Doch waren die Preise allgemein deutlich niedriger als im Niger, und so bekam Joachim nach einigem hin und her für 29 000 CFA eine neue Frontscheibe, auch für Brunos VW-Bus fand sich eine solche. Ein völlig neues Fahrgefühl!
Auch etliche der uns schon aus Niamey her bekannten angenehmen afrikanischen Disco-Biergärten fanden sich außerhalb des Zentrums und ein paar Mal fuhren wir abends wieder in die Stadt um solche zu besuchen. Die Ausgangssperre machte sich jetzt negativ bemerkbar und wenn sie auch nicht allzu genau genommen wurde so gerieten wir doch einmal nach 23 Uhr auf dem Heimweg am Stadtrand an eine Straßensperre. Das wie so oft vorausfahrende Fahrzeug von Bruno gab Gas und so blieb uns nichts weiter übrig als zu folgen. Zwar feuerten die Gendarmen nicht, aber wohl nicht jeder hat soviel Glück.
Prädikat: Nicht empfehlenswert!
Hätten wir angehalten und unsere Verspätung mit einer Reifenpanne entschuldigt wären wir sicher ohne Strafe und vor allem ohne Risiko davongekommen. Im Niger wäre die Sache vermutlich anders ausgegangen!

Wir trafen nach ein paar Tagen den deutsch sprechenden Obervoltaer in einer der von Europäern frequentierten Kneipen wieder und er lud uns für den Abend in ein Restaurant ein. Es war ein wenig peinlich zu beobachten wie er mit den Bediensteten umsprang. Er war Techniker und verdiente stattliche 1300 DM pro Monat. Geld ist Macht und die galt es auszukosten.
Der Lagerplatz den er uns empfohlen hatte war phantastisch, mitten in einem Wald mit vielen Quellen gelegen der unter Naturschutz stand. Lediglich aus dem wenige Meter neben dem Platz liegenden Sumpfgelände stiegen abends Myriaden von Mosquitos auf, gegen die auch unser großes Feuer nicht viel half. Die Malariaprophylaxe hatten wir schon im Niger begonnen, als wir zum erstenmal feuchtere Gebiete erreichten. Wer nach Einbruch der Dunkelheit nochmal aus den Netzen mußte, war sofort an ALLEN unbedeckten Körperteilen von Mosquitos bedeckt.
In der Nähe floß ein klarer Bach mit Gumpen die ideal zum Baden waren. Überall waren mit Seerosen bewachsene Teiche verstreut und in den Bäumen sangen große exotische Vögel.
So ließen wir es uns bei gebratenem Fleisch, Früchten und Bier tagsüber gut gehen. Da der Wald nahe der Stadt lag bekamen wir des öfteren Besuch, einmal brachte ein freundlicher Mann einen Hahn als Cadeau vorbei. Die Diebe die uns nachts gelegentlich umschlichen waren harmlos und leicht zu vertreiben, wir mußten lediglich unser Zeug sicher verwahren.
Am letzten Tag tauchte jedoch ein Förster auf, tadelte uns ob unseres Frevel´s und verwies uns des Platzes, wir waren eh gerade beim einpacken. Wir entschuldigten uns, wie sich das gehört:
"Das haben wir nicht gewußt und das Schild haben wir leider nicht gesehen!"

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© Peter Engelhardt 2005
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