Kilometer um Kilometer verschiebt sich der immer
gleiche Horizont und nur selten zeichnet sich dort ein
Wechsel der Landschaft ab.
Hier sieht der Boden aus, als wäre ein riesiger Berg
durch eine gigantische Detonation in Abermilliarden
kleine verkohlte Stücke zersprengt worden, die von Riesen
mit Rechen gleichmäßig über Dutzende von
Quadratkilometern verteilt worden sind.
Dann wieder nehmen die Felsen in den Bergzügen skurrile
Formen an, und man glaubt sich auf einen anderen Planeten
versetzt. Die hier vorherrschenden Farben der Wüste
werden vom Schwarz und Braun der Felsen gesetzt.
Manchmal auch mischen sich Sand- und Felswüste, und wie
Klippen aus der See ragen dann die Felsen aus dem
goldenen Meer des Sandes.
Oder es sind kilometerbreite weiche Sandflächen in´s
flache Geröll eingelagert.
Dann kommen bei dem Wüstenfahrer die Sandbleche und
Schaufeln zum Einsatz, nach 20 Metern versinken die Räder
jedoch erneut im Sand und die Weichsandfelder beginnen
unendlich zu erscheinen.
Dort wo die befestigten Wege enden und die Piste nur
aus Spuren besteht, die sich über eine Breite von vielen
Kilometern erstrecken, müssen die Reisenden darauf achten
nicht der falschen Spur zu folgen, denn ortskundige oder
schmuggelnde LKW-Fahrer wissen Abkürzungen, und plötzlich
hört auf felsigem Boden die wegweisende Spur auf.
Vergeblich sucht man dann die seltenen Wegmarken aus
übereinander gelegten Steinen. Ein Motordefekt kann dann
lebensgefährlich werden, denn es bleibt nur übrig, auf
der eigenen Spur zurückzufahren. Ein Kompass oder heute
GPS-Geräte sind lohnende Investitionen.
In felsübersätem Gelände laufen die Spuren wieder zu
einer "vielbefahrenen" Hauptpiste zusammen auf der sich,
je nach Untergrund, regelmäßige Bodenwellen gebildet
haben die man mit einer bestimmten Geschwindigkeit
befahren muß, da sonst das Fahrzeug übel durchgeschüttelt
wird.
Nur an den allerödesten Stellen jedoch ist die Sahara
völlig unbelebt. Immer mal wieder sieht man Skorpione
oder die Spur einer Schlange oder eines sonstigen Tieres
im Sand, Heuschrecken sind sogar "häufig" und manchmal
gar weiden Kamele an einzeln oder in Gruppen stehenden
dornigen Bäumen oder an niedrigen Büschen. Dann können
auch Menschen nicht weit sein.
Oft wundert man sich jedoch, wie Pflanzen und Tiere es
schaffen in so einer Umwelt zu überleben, besonders wenn
zum Beispiel ein einzelner Baum im Gelände steht und,
soweit das Auge reicht, sonst nur Kiesboden zu sehen
ist.
Im tiefen Innern der Sahara bieten die wenigen
Wasserstellen meist nur durch hohen Mineralgehalt salzig
schmeckendes Wasser, das zwar trinkbar, auf lange Sicht
aber gesundheitsschädigend ist. Die Wasserstellen mit
gutem Wasser sind berühmt, so zum Beispiel das süße
Mineralwasser aus dem Brunnen bei Tamanrasset, der von
einem Wächter behütet wird.
Als uns viele hundert Kilometer entfernt, es war schon
tief im Niger, ein Kamelreiter der Tuareg begegnete und
um Wasser bat, erkannte er dieses Wasser am
Geschmack:
"Tamanrasset!"
Er hatte sein Schwert gezogen, fühlte sich als Herr der
Situation und ließ eine ziemliche Menge Wasser ungenutzt
in den Sand laufen.
Wir waren davon jedoch überhaupt nicht beeindruckt und
lachten ihn freundlich an, denn wir hatten mehr als 300
Liter Wasser dabei und nutzten dieses natürlich auch zum
Duschen. Sein Schwert fürchteten wir nicht und der
Abschied war freundlich.
Dann, diese Weite! Der Mensch wird auf seine
eigentliche Größe zurechtgestutzt, das heißt, er kommt
sich unendlich klein und unbedeutend vor, so gewaltig
wirkt die Wüste.
Es sei denn, man betrachtet sie als Hindernis, das es so
schnell wie möglich zu überwinden gilt. Dann kommen so
verrückte Lächerlichkeiten wie die Rallye Paris-Dakar
oder Moto-Cross Motorradtouren durch die Dünenlandschaft
dabei heraus.
Wer sich jedoch nicht auf einem solchen Ego-Trip befindet
versteht schnell, weshalb zwei der vier bedeutendsten
Weltreligionen in der Abgeschiedenheit der Wüste
entstanden sind.
Aber das faszinierendste an der Sahara ist nicht die
grandiose Szenerie und Weite, sondern die Stille.
Vor allem auf weichen Sandflächen, wenn sogar das
Geräusch der eigenen Schritte völlig verschluckt wird.
Nach einiger Zeit überfällt dich die Befürchtung
plötzlich taub geworden zu sein und unwillkürlich
klatscht du in die Hände:
"Gott sei Dank!"
Das Gehör funktioniert noch immer...