1978

Per Anhalter nach Marokko

Al Hoceima

Die Badebucht von Al Hoceima

Unser Bus schlängelte sich am nächsten Morgen am Rand riesiger Täler der Küste zu, die Berge wurden bald flacher und der Wald wurde immer häufiger von Obstbäumen und Feldern ersetzt.
Im Küstenstädtchen Al Hoceima, unserem Ziel, angekommen, quartierten wir uns im Hotel „Assalam“ ein. Dieses schien einst für einen größeren Touristenandrang geplant worden zu sein, die vielen Zimmer hatten sogar Telefon und Balkon, doch waren wir beinahe die einzigen Gäste.
Auch die regelmäßige Reinigung der Zimmer schien sich nicht mehr zu lohnen. Jedenfalls mussten wir in unserem erst mal ein wenig Staub wischen, doch dafür war es sehr günstig.

Die Stadt machte einen ziemlich verschlafenen, aber nicht unangenehmen Eindruck und Touristen sah man hier oben im Ort nur sehr wenige. Was man so Nachtleben nennt, gab es hier natürlich nicht.
In der islamischen Welt herrschte Ramadan, die Zeit, in der die Muslime (wenigstens offiziell) tagsüber fasten. Sobald im Tageslicht ein weißer von einem schwarzen Faden zu unterscheiden ist, darf nicht mehr gegessen und getrunken, ja nicht einmal mehr geraucht werden.
Allerdings habe ich das immer als eine sehr ungerechte Methode empfunden.
Der Ramadan fällt in die 12 Mond-Monate des islamischen Jahres, das deshalb einige Tage kürzer als das astronomische Jahr ist und darum gleitet die Fastenzeit durch die Jahreszeiten. Je näher ein Muslim nun am Nordpol wohnt, um so länger oder kürzer wird, je nach Jahreszeit in die der Fastenmonat gerade fällt, die Zeit des Fastens. Wohnt er gar nördlich des Polarkreises, darf er im Sommer sogar einen ganzen Monat lang gar nichts mehr zu sich nehmen, da es 24 Stunden lang hell ist, oder aber er braucht im Winter überhaupt nicht zu fasten, da es den ganzen Tag über dunkel bleibt.
Vielleicht ist das der Grund, weshalb es nördlich des Polarkreises kaum Muslims gibt.
Jedenfalls stopften sich die Marokkaner die ganze Nacht mit Essen und Trinken voll und lange Zeit nach Sonnenuntergang war zunächst kaum mehr jemand in den Straßen der Stadt zu sehen.

Wir blieben bis Mittwoch, dem 23. August in dem Ort, der uns gefiel, stiegen manchmal die Treppen der Steilküste hinunter, um im Meer zu baden und zu faulenzen, verbrachten die Tage also mit dem, was Touristen eben so treiben.
Hier unten gab es sehr viel mehr Touristen, die alle in den Hotels der Bucht logierten.
An diesem Mittwoch also setzten wir uns wieder in den Bus, der zurück nach Ketama fuhr, wir wollten von dort weiter nach Fes und Meknes.
Nachmittags in Ketama angekommen fuhr kein Bus mehr, weshalb wir wieder in dem gleichen Hotel nächtigten wie beim ersten Aufenthalt und deshalb erst zum Mittag des Donnerstags Fes erreichten.

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© Peter Engelhardt Februar 2007
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