



Am 14. Oktober erreichten wir die Grenzstation
Bazargan auf der iranischen Seite. Im Zollraum war ein
riesiges und völlig kitschiges Bild, eine Fotomontage,
aufgehängt, das einen überlebensgroßen und gütig
lächelnden Schah vor einer aufgehenden Sonne zeigte.
Welch einen Charakter mußte jemand besitzen, der es
zuließ, daß eine solche Geschmacklosigkeit von sich und
in seinem Namen gezeigt wurde!
Die Kontrollen waren genau, woher, wohin und endlich
setzte sich unser Bus wieder in Bewegung. Wie stets
plärrte der Kasettenrekorder türkische und persische
Schlager. Als es Morgen wurde, konnten wir die trockene
persische Steppenlandschaft durch die Busfenster
bewundern. Die Fahrt begann so langsam anstrengend zu
werden.
Am Freitagnachmittag erreichten wir den Moloch
Teheran.
Nie vorher oder nachher habe ich einen solchen Verkehr
wie in Teheran erlebt, nicht einmal in den Megastädten
Manila oder Lagos. Von der dicht befahrenen Hauptachse,
die uns ins Zentrum führte, bogen wir bei dem
Kreisverkehr in dessen Mitte das riesige Shahyad-Monument
(jetzt: Azadi-Monument) liegt, nach rechts ab um den
Busbahnhof in der Nähe des Sepah-Platzes anzusteuern und
von dort aus marschierten wir los.
Eine Straße zu überqueren war ein Abenteuer, die
Fußgängerübergänge hätte sich die Stadtverwaltung genau
so wie die Ampeln sparen können, sie wurden völlig
ignoriert. Um sicher auf die andere Straßenseite zu
gelangen gab es nur eine Möglichkeit. Blickkontakt mit
einem Fahrer aufnehmen (Handzeichen wurden nicht
gegeben!), abschätzen ob er anhält oder nicht, die Spur
überqueren, Blickkontakt mit dem nächsten Fahrer
aufnehmen...
Manche Fahrbahnen hatten drei oder gar vier Spuren in
jede Richtung und viele waren Einbahnstraßen.
Wir wollten nach einem Hotel suchen und das
Weiterkommen nach Kabul abklären. Die Hotelsuche ging
vor, war aber alles andere als einfach, da die Teheraner
sich einen Spaß daraus machten, die Ungläubigen zu
veralbern. So wurden wir von einer Gruppe junger Männer
in ein großes Haus mit schäbiger Fassade geschickt, das
sei ein Hotel. Die Inschrift der Tafel an der Fassade war
in iranisch-arabischen Schriftzeichen, und wir traten
durch das Tor. Im ersten Hinterhof ein ganz anderer
Eindruck, das Hinterhaus hatte eine saubere Fassade und
ein schönes Portal, durch das wir traten.
Wir befanden uns jetzt in einer schimmernden mit Marmor
belegten und klimatisierten Empfangshalle. Eben kam ein
bärtiger, wohlbeleibter und in der Tracht der Golfstaaten
gekleideter Araber mit goldenen Ringen an den Fingern die
glänzende breite Treppe herunter. Mit wohlgefälligem
Grinsen führte er eine schöne Perserin an der Hand, die
sich fast echt lächelnd an ihn schmiegte. Hinter den
beiden ein Troß von drei oder vier jungen Männern,
ebenfalls im Burnus und mit arabischem Kopftuch.
Wir waren in einem exklusiven Nobelpuff gelandet!
"Was wünscht ihr?" Störte der Iraner an der Rezeption
unsere Betrachtungen.
"Wir suchen ein Hotel, aber ich glaube wir sind hier
falsch." Meinte Werner grinsend.
"Ja, aber versucht es doch mal im Vorderhaus, dort, die
Treppen hinauf" schlug der Empfangschef aus dem Fenster
deutend vor.
Wir folgten seinem Rat, doch war im Vorderhaus, wie es
aussah, nur die Billigvariante mit den im Hinterhaus
ausgemusterten Damen desselben Gewerbes.
Mit schadenfrohem Lachen wurden wir draußen von den
Persern erwartet.
"Na, habt ihr jetzt ein Zimmer bekommen?"
Sehnsüchtig dachten wir an Istanbul zurück, dort erhielt
man wenigstens vernünftige Auskunft!
Wir hielten uns jetzt an die wenigen Europäer die auf
den Straßen zu sehen waren. Von solchen wurde uns sowohl
für die Busverbindung als auch zur Unterkunft das in der
gleichnamigen Straße liegende Amir Kabir empfohlen. Dort
gab es zwar zu einem halbwegs vernünftigen Preis
Quartier, auch wurden Bustickets nach Maschad verkauft
und der Bus sollte direkt vor dem Hotel abfahren. Doch
das Hotel war voll, aber wir erfuhren, daß in der 20
Gehminuten entfernten Jugendherberge die Übernachtung 180
Rial kostete, so quartierten wir uns dort ein. Diese lag
übrigens ganz in der Nähe des Busbahnhofs, so daß wir uns
unsere Rundwanderung eigentlich hätten sparen
können.
Abends als die Geschäfte schlossen, wurden die tagsüber
angefallenen Abfälle, hauptsächlich Schachteln, vor den
Häusern in hoch auflodernden offenen Feuern
verbrannt.
Wir entdeckten ein billiges Restaurant, in dem wir
gekochtes Huhn mit trockenem gebuttertem Reis aßen und
Pepsi Cola tranken, dieser amerikanische Konzern schien
aus irgend einem Grund das Cola-Monopol im Iran zu
besitzen.
Am anderen Morgen wieder die Veralberungen der
Teheraner, denn wir wollten zum Bahnhof um uns nach den
Preisen zu erkundigen. Sobald sich mehrere Leute um uns
versammelt hatten, tauchte auch bald ein Geheimpolizist
auf, vor dem sich die Iraner anscheinend zu rechtfertigen
hatten. Manche Bürgersteige waren mit handgeknüpften
Teppichen belegt, die von Händlern ausgelegt wurden um
die Auslegware auf schnelle Art abzunutzen und auf "alt"
zu trimmen.
Die Zugfahrt sollte 1400 Rial kosten während der Bus nach
Mesched bei der nahe des "Amir Kabir"-Hotel´s gelegenen
"PMT"-Busgesellschaft 420 Rial kostete. Also klare
Sache!