

Noch in dieser Nacht saßen wir im Bus nach Maschad.
Irgendwo im östlichen Iran, bei einem nächtlichen Stop an
einem einsamen Rastplatz, das Morgenland pur:
Zwischen den Kreuz und Quer geparkten LKW´s und
vielleicht 50 grunzenden von ihrer Traglast befreiten
Kamelen brannten mehr als ein Dutzend Lagerfeuer. Die
Luft war erfüllt vom Rauch und dem Duft gebratenen
Fleisches, ab und an wurde der Motor eines LKW´s
gestartet und mischte seine Abgase mit diesen Gerüchen.
Aus batteriebetriebenen Radios und aus dem kleinen
Restaurant bedröhnte orientalische Musik dieses lebhafte
Treiben.
Offensichtlich benutzte eine große Karawane oder ein
Trupp ziehender Nomaden die Gelegenheit zum Lagern.
Wir aßen safrangewürzten Reis mit gegrillten Tomaten und
Fleisch, doch kam mir das iranische Essen nie sonderlich
schmackhaft vor.
In Maschad trafen wir um die Mittagszeit ein, mieteten
beim Busbahnhof für 300 Rial ein Zweibett-Zimmer im
"Karoon"-Hotel und legten uns erst mal Schlafen.
Als wir erwachten war es schon Dunkel, das Hotelpersonal
wartete auf uns in der Hoffnung, wir würden im
Hotelrestaurant essen. Darin wurden sie allerdings
enttäuscht, wir wollten uns die Stadt ansehen und dort
irgendwo Essen.
Wir waren ziemlich orientierungslos und irrten durch
kleine verwinkelte Gassen. Als wir um eine Ecke bogen
standen wir plötzlich auf einem großen breiten Boulevard.
Etwa 600 Meter weiter bot sich der faszinierende Anblick
einer großen, von Scheinwerfern angestrahlten Moschee mit
goldfarbener Kuppel auf die der Boulevard zulief.
Unwillkürlich gingen wir auf der Mitte des Boulevard`s
auf die wie aus 1001 Nacht wirkende Erscheinung zu. Zwar
nahm ich wahr, daß die Händler an den Straßenständen zu
beiden Seiten unwillige Äußerungen von sich gaben, doch
bezog ich das nicht auf uns. Als wir uns etwa auf 300
Meter der Moschee genähert hatten, zog Werner seine
Kamera aus der Tasche um ein Foto zu machen. Sofort
wurden wir von mehr als einem Dutzend wütender und
drohender Menschen umringt. Die ersten begannen gar
handgreiflich zu werden.
Zum Glück tauchte jetzt ein junger Mullah auf, der die
Menge beruhigte und uns von der Moschee wieder
wegführte.
Wir hatten, bis uns der Mullah aufklärte, keine Ahnung
davon, daß Meshed für die Schiiten eine heilige Stadt
ist, die Stadt war für uns nur eine Station auf dem Weg
nach Nepal.
In vorsichtiger Entfernung dieses heiligen Platzes gingen
wir dann in ein Restaurant. Die Speisekarte war natürlich
in Dari, nicht einmal die Preise waren lesbar, da
ebenfalls in iranisch-arabischer Schrift. So deuteten wir
auf die Gerichte der anderen Gäste, die wir auch haben
wollten, denn der Kellner verstand kein Englisch.
Zurück im Hotel baten der Sohn des Managers, der in
unserem Alter war, mit zwei Freunden um den Eintritt in
unser Zimmer und wir unterhielten uns. Sie waren sehr an
religiösen Themen interessiert, jedoch nicht so
dogmatisch wie die Kerle die uns beinahe angefallen
hätten. Das fanden sie ebenfalls für blödsinnig. Sie
akzeptierten uns als Christen, doch waren sie über die
politischen Verhältnisse in Europa sehr gut informiert
und sahen diese sehr kritisch. Der Westen und seine
Lebensweise war für sie kein Vorbild. Die Herrschaft des
Schah´s lehnten sie als die einer amerikanischen
Marionette ab.
