1977
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Kulturschock X - Das Traumland im Himalaya

Auf dem "Hippietrail" nach Kathmandu

Nepal - Pokhara

Hippietrail: In PokharaHippietrail: In Pokhara

Der Autor im Tal von Pokhara

In Pokhara blieben wir die erste Nacht im Ort selbst, der damals wohl kaum viel mehr als zwanzigtausend Bewohner zählte. Als ich morgens die Augen aufschlug, blickte ich direkt einer Maus ins Gesicht, die 5 Zentimeter vor meiner Nase auf dem Bett saß. Ich zuckte zusammen und sie verschwand blitzartig.
Wir begaben uns an den ein paar Kilometer entfernten See, um einen Bungalow zu mieten. Hier gab es viele Restaurants und Lodges. Wir fanden schnell das passende, das "Trekkers Retreat", holten unser Gepäck mit gemieteten Fahrrädern und zogen ein. Wir wollten etwa 2 Wochen hier bleiben, uns Geld nach Kathmandu überweisen lassen, wofür wir etwa 10 Tage rechneten und uns dann auf den Heimweg machen. Wenn wir unterwegs keine großen Aufenthalte einlegten, konnten wir noch vor Jahresende zu Hause sein.
Zunächst genossen wir die angenehme Atmosphäre des Ortes und die schöne Aussicht auf das gigantische Annapurna-Massiv mit dem prägnanten Machapuchare und machten beinahe täglich Bootsfahrten mit einem gemietetem Einbaum auf dem Stausee.
Das Essen in den Restaurants war ganz auf die vielen westlichen Besucher abgestimmt und dankbar nahmen wir dieses Angebot wahr. Als Snack zwischendurch gönnten wir uns öfters Obstsalat aus Guajaven, Papayas, Mandarinen und Bananen und zum Frühstück gab es Kaffee, Müsli, gebratene Eier mit Toast und süße Pfannkuchen. Ein Restaurant bot sogar chinesische Küche und zum ersten Mal aß ich dort Chop Suey, doch auch "Vienner Shnitzel" war hier zu haben.

Pokhara - Ufer am See

Nur selten tranken wir abends in den Restaurants nepalesisches Bier, da dieses verhältnismäßig teuer war, doch lernten wir trotzdem viele Traveller (als solche betrachteten auch wir uns) kennen. Etliche Westler waren auch mit dem Flugzeug nach Nepal gereist und wir, die als "echte Indienfahrer" die Mehrheit bildeten, betrachteten diese Touristen ziemlich herablassend. Die wenigen Pauschaltouristen, die gelegentlich Pokhara über den kleinen Flugplatz ansteuerten, waren als "Neckermänner" natürlich vollends unten durch und wenn junge Nepalesen Deutsche ärgern wollten, titulierten sie diese als "Neckermänner", obgleich sie wahrscheinlich nicht die mindeste Ahnung hatten, was das eigentlich war.
Auch einen jüngeren Kripobeamten aus Ulm an der Donau, der sich hier "inkognito auf Urlaub" umschaute was seine "Kundschaft" in diesem mystifizierten Nepal eigentlich so trieb, lernten wir kennen.

Mehrere Shops boten Hippieklamotten feil und eine kleine aus Indien eingewanderte Schneiderfamilie bot den Touristen sogar maßgeschneiderte Kleider an, frisch parfümiert durch den Urin ihres etwa zweijährigen Sohnes, der nackt und fröhlich über die weichen Stoffballen ihres einzigen Zimmers krabbelte.

Hippietrail: Seidenspinne in PokharaHippietrail: Seidenspinne in Pokhara

Riesige Spinne bei Pokhara

Trekking kam zwar aufgrund meines Herzfehlers nicht in Frage, doch kletterte Werner in den Hügeln herum. Ich spazierte lieber durch den ebenen Teil des Tales. Es gab viele Papayabäume, Bananenstauden und andere Fruchtpflanzen, vor allem aber Reisfelder.
Nutzvieh nur Wasserbüffel, Kühe, Hühner und einige Ziegen.
In den Ästen der Bäume hatten überall riesige, aber anscheinend harmlose Spinnen* ihre gewaltigen Netze gespannt.
Bei einer Bootsfahrt begegneten wir einer schwimmenden Kobra, die eine Bucht des Sees überquerte. Das war die einzige Schlange die ich auf dieser Reise sah.

Ich hatte mir in Kabul "Die Jugend des Königs Henri Quatre" von H. Mann gekauft und nun Muße zum lesen. Außerdem gab es einen Buchshop mit gebrauchten Büchern, auch deutschsprachige. Nachmittags nahmen wir Kaffee und Kuchen am See, kurz, erholsame Wochen bis wir am 8. Dezember 1977 nach Kathmandu aufbrachen, jene Stadt auf die ich sehr gespannt war und von der ich so viel gelesen hatte.

* Es handelte sich um Seidenspinnen

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Einige weitere unserer Fotos aus Pokhara finden sie auf der externen Seite :
STORIA-THEURGICA
"Das autobiographische Abenteuer meiner Flucht von 1976 bis 1985. Tatsachen und Poesie von einem 'Wanted man' auf der Suche nach innerer und äußerer Sicherheit."


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Überarbeitete und erweiterte Version: 2007
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