1980

Erinnerung an ein chinesisches Kloster auf Penang

Götterfigur im buddhistischen Tempel

Der Zugangsweg führte einen Hügel hinauf und ließ alles andere als eine gottgeweihte Stätte erwarten. Schon bevor die Arkaden und damit der Aufstieg begann, hockten entlang des Weges Straßenhändler chinesischer Herkunft und unterbreiteten ihr Warensortiment auf einer Bastmatte. Zigaretten, Kekse, Getränke und allen möglichen Kleinkram.
Am besten blieb in meiner Erinnerung ein vermutlich aus Hongkong stammender Scherzartikel haften, der das gewisse Etwas, das unseren Körper meist nur an einer stillen Örtlichkeit verlässt, unwahrscheinlich täuschend nachahmte. 
In den Arkaden selbst, Händlerstand an Händlerstand. Räucherstäbchen, Plastikrevolver, Kunststoffiguren, Vogelkäfige...

Ohne schroffen Übergang plötzlich mitten im Gewühl eine Statue, nur durch ihre Größe, die ihr aber keine Spur von Erhabenem gab, von dem Kitsch draußen zu unterscheiden. Ich hatte Stille und Einkehr erwartet, nun schwatzende, lachende und rauchende Chinesen.
Endlich ein Zeichen von Andacht; eine Alte, die Räucherstäbchen entzündend vor einer der in Glasvitrinen aufgestellten Götterfiguren verharrte und die eher stinkenden als duftenden Stäbchen zwischen die gefalteten Hände klemmte.
Ich war fast überrascht und drückte, einer unüberlegten Regung folgend, meine brennende Zigarette so unauffällig wie möglich aus und sah mich um. Aber niemand beachtete mich oder die Alte, hätte man meine Hemmungen gekannt, man hätte mich vermutlich ausgelacht.
Verwirrt von dieser fremden Form der Gottesverehrung verließ ich diesen ersten Tempel und folgte einer Familie weitere Treppen hinauf, an Schildkrötenteichen vorbei und gelangte in einen Saal, in dem ich ungefähr die gleichen Figuren wie unten antraf, nur diesmal gute zwei Meter groß.
Die Luft war durch das obligatorische Räucherwerk drückend, obwohl die Fenster und Tore offen standen.
An Farben herrschten Rot und Gold vor, ohne jedoch dem Ganzen etwas von seiner Nüchternheit zu nehmen.
Nun folgte Halle auf Halle, Figur auf Figur, Zigarettenverkäufer auf Teestube, auch Coca-Cola durfte nicht fehlen neben dem säbelschwingenden, vampirzähnigen Dämon unter dem Bildnis des Klosterstifters und seiner Frau, die sich mit ihrem Geld einen guten Platz im Jenseits gesichert haben.
Die ganze Anlage ist nicht mehr als ein paar Jahrzehnte alt und ein echtes Kunstwerk wird man dort wohl vergeblich suchen.
Die Besucher blieben hier und da stehen um zu beten, den Göttern zu opfern oder sonstige rituelle Handlungen zu vollziehen, um gleich darauf fröhlich plaudernd weiterzuwandern. Die in Weiß gekleideten Mönche und Nonnen waren mit ihrem Reden und Lachen auch nicht gerade dazu angetan, das Bild der Religiosität in meinen fremdartigen Augen zu steigern.

Als ich zum Schluß die alles überragende steinerne Pagode erklomm, oben die hervorragende Aussicht über Penang genießend, das Gesehene zu verstehen suchte, wurde mir die ungreifbare Fremdheit Asiens bewusst.
Eine Ahnung nur von in der täglichen Banalität stehenden Religion, die alle Aspekte des Lebens erfasst, in mir aber eher Vergleiche mit Disney-Land aufkommen ließ, weil ich von dieser fremden Welt für immer ausgeschlossen bin.
Durch Geburt und Erziehung ein Kind des Abendlandes, aber trotzdem oder gerade deshalb unwiderstehlich vom Zauber dieses Kontinents gefangen.
In diesem Augenblick störte der Lärm eines nahe vorbeifliegenden Helikopters meine Gedanken.

weiter...

© Peter Engelhardt 2005

Durch Klick auf eine Flagge können sie ein Land wählen...
Indische Flagge Nepalesische Flagge Flagge von Bangladesh Thailändische Flagge Malaysische Flagge Indonesische Flagge Flagge von Singapur Philippinische Flagge Tunesische Flagge Algerische Flagge Flagge des Niger Flagge von Burkina Faso Flagge der Elfenbeinküste Ghanesische Flagge Togolesische Flagge Reisebericht Nigeria Kamerunische Flagge Flagge von Zentralafrika Flagge der Republik Kongo Zum Reisebericht Marokko Zum Reisebericht Türkei Thailändische Flagge Zum Reisebericht Hippietrail

Vorhergehende SeiteNächste Seite