



Am nächsten Tag mieteten wir Fahrräder, mit denen wir
nach Pokhara fuhren, um in der kleinen Stadt auf einer
Bank Schecks umzutauschen. Wieder zurück nahmen wir uns
ein Boot, mit dem wir auf den See ruderten. Der alles
beherrschende Gipfel des Machapuchare (6997 Meter) ragte
weit vorgeschoben aus dem Anapurnamassiv, ein
faszinierender Anblick. Die Felsspitze hat gewisse
Ähnlichkeit mit dem Matterhorn, nur ist dieser für die
Nepalesen heilige Berg um mehr als ein Drittel
höher.
Dazu die Szenerie der dichten tropischen Vegetation der
Hügel südlich und der Reisterrassen an den Hügeln
nördlich des Sees.
Wir begegneten bald einem anderen Boot, das mit Magnus
und einem weiteren Deutschen besetzt war. Wir
veranstalteten ein Bootsrennen über den etwa 3 Kilometer
langen See, badeten in der Mitte des Gewässers und
trieben sonst noch allerlei Unfug, fast bis es dunkel
wurde.
Pokhara war ein Ort zum Faulenzen, die Restaurants waren
stolz auf ihre Gerichte und vor allem ihre Kuchen
westlicher Art, doch auch aus einem anderen Grund wurde
dieser Ort von manchen besucht.
Ganze Kinderscharen, im Alter vielleicht zwischen 6 und
10 Jahren, verkauften offen so ziemlich alle Drogen die
damals üblich waren. Nicht nur Haschisch, das in Nepal so
verbreitet war wie bei uns das Bier, sondern auch "harte"
Drogen wie Opium, Rauschpilze und sogar Heroin!
Glücklicherweise gab es jedoch mehr Verkäufer als Käufer
wie es schien und nachdem man sie ein paar mal abgewiesen
hatte, wurde man von den Kids nicht weiter
belästigt.
Auch vom organisierten Tourismus war der romantische Ort
mittlerweile entdeckt, noble Lodges waren entstanden und
sogar etliche betuchte Touristenfamilien aus Indien
tummelten sich an dem malerischen künstlichen See, über
dem sich in diesen kurzen Tagen der Erholung auch einmal
ein heftiges Gewitter entlud.
Am 13. 12. wurden wir um 6:00 in der Früh von Magnus
geweckt, wir hatten verschlafen und ich packte noch rasch
den Rest unserer Sachen und begab mich dann mit
Magnus zum "Snowland", wo unser Bus um 6:30
losfahren sollte. Es wurde aber 7:30 bis dieser überhaupt
kam. Meine Freundin hatte sich in weiser Voraussicht
gleich an die vorletzte Haltestelle begeben und saß
demzufolge schon im Bus um Magnus und mir Plätze frei zu
halten. Das war eine sehr gute Idee gewesen, denn die
Kerle der Busgesellschaft verkauften jedem der mitwollte
ein Ticket und so war der Minibus schnell mehr als nur
überbesetzt. Allesamt waren die Fahrgäste Reisende aus
westlichen Ländern und so pausierte unser Bus, der bald
mit einem Affenzahn losbrauste, bis Kathmandu an keiner
einzigen Haltestelle und schon um 14:30 erreichten wir
die Hauptstadt Nepals. Während der Fahrt hatten wir
jedoch verkehrsbedingt in einem Dorf einen kurzen Halt.
Vor einem Restaurant lag ein schlafender Hund hinter dem
Hinterrad eines Busses, der mit laufendem Motor vor
diesem hielt. Der Bus war gerade dabei seine Fahrt wieder
aufzunehmen und setzte deshalb zurück, dabei rollte er
mit dem Rad über das Tier. Der Hund drehte sich unter dem
Rad, kroch unter dem Bus hervor, stand auf, tat mit nach
innen gekehrtem Blick noch zitternd einen tiefen
Schnaufer und fiel dann mausetot um. Schreckensbleich kam
der Busfahrer angelaufen, vermutlich hatte er geglaubt,
einen Menschen überfahren zu haben und etliche Männer
versammelten sich bald mit ernsten Gesichtern um das tote
Tier. Wahrscheinlich wurde der Vorfall als böses Omen der
Götter gewertet.
Bei eben jenem Halt stieg auch ein junger Bänkelsänger
(diese Leute wurden in der Regel kostenlos mitgenommen)
mit einer Art Fiedel in unseren Bus, die Kassette mit
Santana wurde aus dem Recorder genommen und die Fiedel
nahm ihre die Ohren quälende Arbeit auf. Viel bekam der
Sänger nicht und die wenigen die ihm etwas gaben, taten
dies nur unter der Aufforderung, das Gedudel und
Gekrächze umgehend einzustellen. Schnell hatte er jedoch
den Bogen heraus, jedesmal wenn er wieder zu singen
begann, bekam er einige Paisa um wieder aufzuhören, also
setzte er nach kurzen Pausen immer wieder von neuem an.
Im nächsten Dorf wurde dieser fahrende Troubadix deshalb
wieder aus dem Bus geworfen und Carlos und die anderen
westlichen Bands durften den Rest der Fahrt
weitermusizieren.
© Peter Engelhardt 2005