1979
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Tagebuch einer Nepalreise

Im Tal von Pokhara



Machapuchare

Am nächsten Tag mieteten wir Fahrräder, mit denen wir nach Pokhara fuhren, um in der kleinen Stadt auf einer Bank Schecks umzutauschen. Wieder zurück nahmen wir uns ein Boot, mit dem wir auf den See ruderten. Der alles beherrschende Gipfel des Machapuchare (6997 Meter) ragte weit vorgeschoben aus dem Anapurnamassiv, ein faszinierender Anblick. Die Felsspitze hat gewisse Ähnlichkeit mit dem Matterhorn, nur ist dieser für die Nepalesen heilige Berg um mehr als ein Drittel höher.
Dazu die Szenerie der dichten tropischen Vegetation der Hügel südlich und der Reisterrassen an den Hügeln nördlich des Sees.
Wir begegneten bald einem anderen Boot, das mit Magnus und einem weiteren Deutschen besetzt war. Wir veranstalteten ein Bootsrennen über den etwa 3 Kilometer langen See, badeten in der Mitte des Gewässers und trieben sonst noch allerlei Unfug, fast bis es dunkel wurde.
Pokhara war ein Ort zum Faulenzen, die Restaurants waren stolz auf ihre Gerichte und vor allem ihre Kuchen westlicher Art, doch auch aus einem anderen Grund wurde dieser Ort von manchen besucht.
Ganze Kinderscharen, im Alter vielleicht zwischen 6 und 10 Jahren, verkauften offen so ziemlich alle Drogen die damals üblich waren. Nicht nur Haschisch, das in Nepal so verbreitet war wie bei uns das Bier, sondern auch "harte" Drogen wie Opium, Rauschpilze und sogar Heroin! Glücklicherweise gab es jedoch mehr Verkäufer als Käufer wie es schien und nachdem man sie ein paar mal abgewiesen hatte, wurde man von den Kids nicht weiter belästigt.
Auch vom organisierten Tourismus war der romantische Ort mittlerweile entdeckt, noble Lodges waren entstanden und sogar etliche betuchte Touristenfamilien aus Indien tummelten sich an dem malerischen künstlichen See, über dem sich in diesen kurzen Tagen der Erholung auch einmal ein heftiges Gewitter entlud.

Am 13. 12. wurden wir um 6:00 in der Früh von Magnus geweckt, wir hatten verschlafen und ich packte noch rasch den Rest unserer Sachen und begab mich dann mit Magnus  zum "Snowland", wo unser Bus um 6:30 losfahren sollte. Es wurde aber 7:30 bis dieser überhaupt kam. Meine Freundin hatte sich in weiser Voraussicht gleich an die vorletzte Haltestelle begeben und saß demzufolge schon im Bus um Magnus und mir Plätze frei zu halten. Das war eine sehr gute Idee gewesen, denn die Kerle der Busgesellschaft verkauften jedem der mitwollte ein Ticket und so war der Minibus schnell mehr als nur überbesetzt. Allesamt waren die Fahrgäste Reisende aus westlichen Ländern und so pausierte unser Bus, der bald mit einem Affenzahn losbrauste, bis Kathmandu an keiner einzigen Haltestelle und schon um 14:30 erreichten wir die Hauptstadt Nepals. Während der Fahrt hatten wir jedoch verkehrsbedingt in einem Dorf einen kurzen Halt. Vor einem Restaurant lag ein schlafender Hund hinter dem Hinterrad eines Busses, der mit laufendem Motor vor diesem hielt. Der Bus war gerade dabei seine Fahrt wieder aufzunehmen und setzte deshalb zurück, dabei rollte er mit dem Rad über das Tier. Der Hund drehte sich unter dem Rad, kroch unter dem Bus hervor, stand auf, tat mit nach innen gekehrtem Blick noch zitternd einen tiefen Schnaufer und fiel dann mausetot um. Schreckensbleich kam der Busfahrer angelaufen, vermutlich hatte er geglaubt, einen Menschen überfahren zu haben und etliche Männer versammelten sich bald mit ernsten Gesichtern um das tote Tier. Wahrscheinlich wurde der Vorfall als böses Omen der Götter gewertet.
Bei eben jenem Halt stieg auch ein junger Bänkelsänger (diese Leute wurden in der Regel kostenlos mitgenommen) mit einer Art Fiedel in unseren Bus, die Kassette mit Santana wurde aus dem Recorder genommen und die Fiedel nahm ihre die Ohren quälende Arbeit auf. Viel bekam der Sänger nicht und die wenigen die ihm etwas gaben, taten dies nur unter der Aufforderung, das Gedudel und Gekrächze umgehend einzustellen. Schnell hatte er jedoch den Bogen heraus, jedesmal wenn er wieder zu singen begann, bekam er einige Paisa um wieder aufzuhören, also setzte er nach kurzen Pausen immer wieder von neuem an. Im nächsten Dorf wurde dieser fahrende Troubadix deshalb wieder aus dem Bus geworfen und Carlos und die anderen westlichen Bands durften den Rest der Fahrt weitermusizieren.

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© Peter Engelhardt 2005

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