



Nach der Hotelsuche in Kathmandu gingen wir dann
italienisch Essen. Mein Gericht war allerdings nicht nur
geschmacklich schlecht, sondern sollte in den nächsten
Stunden auch üble Folgen zeigen.
Ich hatte mir eine kleine Darminfektion eingefangen und
die Milch die ich zum Frühstück am nächsten Morgen trank,
bekam mir gar nicht. In diesem miserablen Zustand ging es
zur Post, denn wir wollten ein Paket mit Souvenirs nach
Hause schicken. Mein Zustand verschlechterte sich jedoch
und ich begab mich ins Hotel zurück, während meine
Begleiterin alleine auf den Frachtgesellschaften die
Erkundigungen über Preise und Versandbedingungen
(Verpackung, Zollformalitäten u.s.w.) einholte.
Nachmittags begann sich mein Zustand mit Hilfe einiger
Medikamente und viel Leitungswasser zwecks
Flüssigkeitsausgleich wieder etwas zu bessern, sonst nahm
ich an diesem Tag nichts mehr zu mir.
Ich kaufte an jenem Tag ein scharfgeschliffenes
Sherpamesser der nepalesischen Armee für 50 Rupien, das
mir ein Alter vor dem Hotel anbot.
Am 15. blieben wir relativ lange im Bett, weshalb wir
dann gleich ins "Blue bird" zum Mittagessen gingen. Mir
ging es heute wieder besser und ich verspeiste ein Wiener
Schnitzel mit Rösti. Wer sich wundert, daß wir so häufig
europäisch aßen, der muß sich klar machen, daß wir uns
etliche Wochen in Indien nur von indischen Gerichten
ernährt hatten. Zwar ist die indische Küche schmackhaft,
doch erstens ist diese zumeist fleischlos, zweitens
überkommt einen nach einiger Zeit doch der Wunsch,
altgewohntes zu sich zu nehmen und drittens ist die
nepalesische Küche recht fade. Hinzu kam, daß wir keine
Ahnung hatten, was uns in Bangladesh kulinarisch
erwartete, weshalb wir jetzt die Segnungen der
touristischen Infrastruktur Nepals in vollen Zügen
genossen. Allerdings war es ratsam, sich im Viertel der
offenen Schlachtereien, die alles Fleisch lieferten,
nicht allzu genau umzusehen. Doch nicht nur dort, sondern
auch in den Restaurantküchen tummelten sich Ratten und
diese Tiere wurden von den Hindus aus religiösen Gründen
leider nicht getötet.
Es war schönes Wetter mit strahlendem Sonnenschein, das
musste im kalten Kathmandu ausgenutzt werden und so
machte ich einen längeren Spaziergang und ging dabei auf
Fotojagd.
Zurück im Hotel traf ich meine Freundin wieder und wir
wollten bei einem Silberschmied den Schmuck abholen, den
wir gegen teilweise Vorkasse vor unserer Fahrt nach
Pokhara in Auftrag gegeben hatten. Jener meinte jedoch,
er sei noch nicht ganz fertig und vertröstete uns auf den
Abend. Meine Begleiterin holte dann abends problemlos den
gut verarbeiteten Schmuck alleine ab.


Es war in unserem ungeheizten Hotelzimmer bitterkalt,
und so blieb ich am folgenden Morgen besonders lange
unter der heißen Dusche um mich gleich darauf wieder zu
meiner Freundin unter die warme Bettdecke zu kuscheln und
erst um 11:00 zogen wir uns an.
Heute war der Geburtstag des verstorbenen Vaters des
jetzigen Königs und so marschierten Truppen, im
Gleichschritt der jedoch keiner war, gefolgt von
fürchterlichen Musikkapellen in altertümlichen Uniformen,
rot gewandeten Tibetern mit großen Alphörnern sowie
Hunderter Nepalesen durch die Straßen der Stadt, und so
trieben auch wir uns den ganzen Tag auf den belebten
Straßen herum.
Wir trafen dann noch einmal Magnus und wir verbrachten
den Abend erst in einer Teestube und danach auf unserem
Hotelzimmer, wobei wir uns über unsere nächsten
Reiseziele unterhielten. Dies war unser letzter voller
Tag in Kathmandu.
Meine Freundin brachte an unserem Abreisetag, Montag
den 17.12.1979, unser Paket, das immerhin 7,5 Kilogramm
wog, zur Frachtgesellschaft, während ich in einem
Buchladen noch ein paar Bücher tauschte (ein schlechtes
Geschäft) und unsere Post erledigte. Zurück im Hotel
wartete meine Begleiterin schon auf mich und wir
verabschiedeten uns von Magnus. Mit unserem übrigen
Nepal-Geld kauften wir noch einige Kleinigkeiten,
speisten hervorragend in einem relativ teuren und noblen
indischen Restaurant, suchten dann ein Taxi und ab gings
zum Airport. Dieser war ziemlich klein, wir hatten noch
etwas Zeit und meine letzte Landeswährung reichte im
Flughafenrestaurant gerade noch für ein sündhaft teures
Bier. Um 13:00 öffnete der Schalter von Biman und bereits
nach 15 Minuten deckten wir uns im Duty free shop
ein.
Als ich in der alten "Fokker-Friendship"
Propellermaschine Platz nahm, brach irgendetwas an meinem
Sitz durch und ich saß leider etwas sehr tief. Doch waren
die Fenster groß, wir saßen auf der linken Seite des voll
besetzten Fliegers und konnten, fast bis wir Dacca
erreichten, von der relativ niedrig fliegenden Maschine
ein letztes Mal das Panorama der Eisriesen des Himalaya
betrachten.
© Peter Engelhardt 2005