

Die Rückkehr fand im Jahr 1992 statt. Ich überlegte mir, ob ich wirklich nach Koh Samet sollte, es war klar, daß sich alles verändert hatte. Vielleicht wäre es besser, die Insel als zauberhaftes Eiland in Erinnerung zu behalten, doch ich dachte an meinen Schwur. Zunächst suchte ich mir andere Ziele, ich wollte mich zuerst auf einer Insel erholen und reiste deshalb nach Trat. Der gesamte Osten Thailand`s war bei meinem ersten Besuch militärisches Sperrgebiet gewesen und mir deshalb unbekannt. Von einem Hafen bei Trat also setzte ich nach Ko Chang über. Auf dieser "ursprünglichen" Insel gab es trotz Nationalpark eine Küstenstraße und unzählige Strandhütten und Restaurant`s. Zwar hatten die großen Reisebetreiber die Insel noch nicht entdeckt, jedoch waren Rucksackreisende zuhauf vorhanden, sogar mehr als vor 12 Jahren auf der schon damals berühmten Insel Ko Samui. Der Strand war schön, die Ansicht der dschungelbedeckten Berge herrlich, jedoch gab es auf der Insel nichts mehr zu erleben, außer in den Bar`s mit den Frauen zu schäkern, zu trinken und zu baden. Nicht mal die Thai`s waren Einheimische, sondern erst mit Entstehung der vielen Arbeitsplätze durch die Touristen aus allen Landesteilen hier hergekommen. Deshalb verließ ich die Insel nach zwei Tagen, um von Trat nach Korat (offiziell: Nakhon Ratchasima) zu fahren und von dort aus eine mehrwöchige Rundreise durch den Nordosten Thailand`s zu starten.
Zurück in Bangkok setzte ich mich also in einen Bus
nach Rayong. Am Kai des Hafen´s Ban Phe wurde bereits
mehr Englisch und Deutsch gesprochen als Thai, so hatte
ich jedenfalls den Eindruck. Große Fährboote fuhren sehr
oft und diese waren ausschließlich für
Personenverkehr eingerichtet, das ließ mich Übles
ahnen.
Zunächst galt es herauszufinden, an welchen der Strände
ich fahren sollte, hatten doch jetzt alle mir völlig
unbekannte Phantasienamen. Ich besorgte mir einen
Inselplan des Nationalpark`s und entschied mich dann
anhand der Form der Bucht, kaufte ein Ticket und setzte
mich in das fast volle Boot, das mit seinem starken Motor
die Strecke rasch bewältigte.
Schon vom Meer aus war das Treiben am Strand und im
Wasser zu beobachten. Hütten und Restaurant`s die sich
sogar die Hügel hinaufzogen, en masse.
Ich hatte die richtige Bucht gewählt und sah, als wir in
diese einliefen, die Zerstörungen sofort.
Ich meine nicht die vielen Disco`s
und Hütten, sondern die Kokospalmen, von denen
viele braun verfärbt waren. Dies konnte nur eine Ursache
haben, es war zuviel Wasser entnommen worden, Meerwasser
war in`s Grundwasser eingedrungen und hatte die Palmen
absterben lassen. Touristen brauchen eben mehr Wasser,
bringen jedoch auch mehr Geld als Kokosnüsse. An Land
trug mich natürlich niemand, statt dessen stiegen wir in
kleine Boote um.
Am Ufer war ein großes Spruchband befestigt:
"Ko Samet grüßt die Viking Jugend Franken!"
Ich hatte Glück und bekam einen Bungalow direkt am
Strand. Er war teurer als im Landesinnern ein
schönes sauberes Hotelzimmer mit Air Conditioning,
täglich gewechselter Bettwäsche und Reinigung inklusive
Zimmerservice.
Zunächst sah ich mich am Strand um, ein Betrieb wie an
den beliebten Badeorten am Mittelmeer. Liegestühle,
Luftmatratzen, Surfer und sogar mit so einer Art
Wassermotorrad raste jemand durch die Wellen.
Ich lenkte meine Schritte hinter die Reihen der
Bungalows, dort wurde es richtig schlimm. Palettenweise
waren Schachteln mit leeren Mekong Whiskeyflaschen
entzündet worden, wohl in der Hoffnung, das Glas würde
sich mit dem Rauch auflösen, statt dessen waren nur die
Flaschen zersprungen und bildeten mit den halbverbrannten
Schachteln große Haufen. Auch anderer Unrat lag herum,
teilweise halb verbuddelt. Von den alten Hütten und sogar
dem Wohnhaus der Familie war nichts mehr zu sehen.
Ich ging in Richtung des einstigen Pfades und stieß auf
ein Pick-Up, das auf einer regelrechten ungeteerten
Straße stand, die mittlerweile entstanden war. Ich wurde
gefragt ob ich in das Inseldorf wolle, aber ich suchte
weiter den Pfad, denn ich wollte nach der Kobrahöhle
sehen.
Diese war nicht mehr zu finden, denn in der nächsten
Bucht waren Bungalows bis hinauf auf den Hang des Hügels
gebaut. Ich überlegte ob ich weiter bis zum Kloster
solle, drehte dann jedoch um.
Am liebsten wäre ich gleich wieder auf`s Festland
gefahren, doch hatte ich meine Unterkunft schon
bezahlt.
Ich setzte mich in ein Restaurant, aß etwas und
bestellte eine kleine Flasche Mekong, aus der ich zwei
Gläser trank während ich das Treiben am Strand
beobachtete.
Eine Deutsche ließ sich mit ihrer Tochter von einer Thai
hunderte kleiner Zöpfchen ins Haar flechten. Die Arbeit
an ihrem Haar war bereits fertig und auch bei ihrer
Tochter weit fortgeschritten. Ich war neugierig was das
wohl kosten würde, war das doch eine Arbeit von
vielleicht 2-3 Stunden.
Als diese fertig war, kam der Daddy der Familie,
verhandelte kurz mit der Thai und drückte ihr dann einen
100 DM Schein in die Hand. Ich war fassungslos, hatte der
Mann für ein paar Stunden Arbeit doch mehr als den halben
Monatslohn eines Lehrers bezahlt!
Es war kein Wunder, daß das Ansehen der Fremden bei den
Thai`s stark gesunken war. Das alte Schimpfwort "Farang"
für die Weißen, das früher niemand wagte einem
in`s Gesicht zu sagen, war jetzt allenthalben zu hören
und nur wenn man dann ärgerlich wurde, zeigte sich in den
peinlich berührten Mienen Respekt.
Ich nahm meine Flasche mit und setzte mich in eine
Strandkneipe. Es war Abend geworden und wer kam da
plaudernd mit drei Thai´s den Strand entlang? Die
geliebte, mittlerweile etwas gealterte, Freundin des
Skippers. Sie erkannte mich natürlich nicht.
Ich unterhielt mich mit einem der hier arbeitenden
Thai`s, er stammte aus dem moslemischen Süden des Landes.
Die Freundin des Skippers hatte die Pacht der besten
Disco des Strandes erhalten, geheiratet hatte er jedoch
eine andere. Er war nicht da, sondern gerade auf Urlaub
in Chiang Mai und galt als sehr reicher Mann.
Von einem Dänen wußte der Thai nichts.
Ich trank Bier und meinen Schnaps und hatte dann
Schwierigkeiten meinen Bungalow zu finden.
Am nächsten Morgen ein paar Fotos vom Strand, dann auf
die Fähre und nix wie weg.
Als die Hütten kleiner wurden, schwor ich mir, nie wieder
hierherzukommen.
© Peter Engelhardt 2005