
Von Nakhon Ratchasima führte mich mein Reiseweg
entlang des während der Indochina-Kriege von den Amis
erbauten Highways Nr. 2, dem sogenannten
"Friendship-Highway" nach Pimai (Phimai).
Der kleine Ort machte einen beschaulich ländlichen
Eindruck.
Berühmt war Pimai durch seinen „Historical Park“, eine
riesige uralte Anlage im Khmerstil, die angeblich das
Vorbild für das später errichtete Angkor Wat im
heutigen Kambodscha war. Der Eintritt kostete 20 Baht
und stundenlang streifte ich durch die relativ gut
erhaltene Anlage mit reliefbesetzten Tempeln und
Palästen, deren Buddhastatuen noch immer von Mönchen
geschmückt wurden.
Während meines Aufenthaltes waren nur thailändische
Besucher auf dem Gelände. Bis zum Erreichen des
Mekong´s sollten mir ab Korat nur noch eine Hand voll
Weißer begegnen.
Ich hatte mir ein Hotel genommen und blieb zwei Nächte
hier.

Die andere Attraktion von Phimai war ein riesiger
Benjaminbaum. Um dorthin zu gelangen wählte ich meine
Beine als Fortbewegungsmittel, was ich allerdings bald
bereute, denn der Weg war doch ziemlich weit. Auf halber
Stecke stand rechts in einem der typischen Gehöfte ein
gewaltiger Zebu-Stier. Ich holte meine Kamera hervor und
machte ein Foto, doch jetzt wurde ich gewahr, daß der
Stier unruhig wurde, mich mißtrauisch beobachtete und mit
dem Schwanz so heftig schlug, daß er sich sogar über
seinen Rücken legte.
Ein Falang!
Das an einem langen Seil angebundene Tier war an seinem
Höcker bestimmt 2 Meter hoch, falls er wütend wurde und
sich losriß war ich schon so gut wie tot, wenn er mich
erwischte.
Eine Geschichte aus meiner Jugend fiel mir plötzlich
ein. Damals hatte sich ein Stier in einem
Nachbardorf von einem Spaziergänger provoziert gefühlt,
sich losgerissen und den Frechen verfolgt. Dieser
flüchtete sich in eine Wirtschaft, doch hatte die Türe,
wie damals üblich, eine Feder und so schloß sie sich
nicht schnell genug. Der Stier stürmte in die Gaststube
und die wenigen nachmittäglichen Zecher aus den
Fenstern.
Auch ich sah mich jetzt nach einer
Fluchtmöglichkeit um, während ich mich umdrehte und das
Vieh, das kein Auge von mir ließ, nur noch aus den
Augenwinkeln beobachtete. Scheinbar unbefangen setze ich
meinen Weg fort, links der Straße war ein etwa
zweieinhalb Meter breiter, wassergefüllter und
hoffentlich tiefer Graben, über den ich im Notfall zu
springen gedachte.
Ich hatte einen mächtigen Baum erwartet, doch was auf
der kleinen Halbinsel in einem Teich stand, war ein
Wäldchen. Tatsächlich war dieses nur ein einziges
Gewächs, die ungezählten Stämme waren nur die Luftwurzeln
eines einzigen Baumes durch welche verschiedene, mit
Steinplatten belegte Pfade liefen.
In dieser mittäglichen Hitze war ich außer einem
Vogelhändler der einzige Verrückte der sich hier
herumtrieb. Die Vögelchen wurden gefangen um sie den
Leuten zu verkaufen, die durch ihre Freilassung
positives Karma ansammeln wollten. Aus Mitleid, doch
mit dem schlechten Gewissen, daß die Vögel bald ersetzt
würden, ließ auch ich zwei der Vögelein frei. Als ich
ging, fuhren gerade zwei Auto´s mit weiteren Besuchern
auf den Parkplatz.
An der Sache mit dem Karma schien was dran zu sein, denn
nach wenigen hundert Metern nahm mich ein freundlicher
Thai auf dem Soziussitz seines Mopeds mit zurück ins
Städtchen. Das war mir nicht nur wegen des Stieres recht,
der noch immer in jenem Hof stand.
Über Khon Kaen erreichte ich dann Udon Thani. Hier
traf ich in meinem Hotel einen jüngeren Deutschen. Ich
sprach ihn an, was ihn denn in diese von Touristen
recht selten besuchte Provinz verschlagen hätte.
Er hatte per Annonce eine Thai kennen gelernt und
besuchte jetzt das erste Mal Thailand, um das Mädel
näher kennen zu lernen. Eine wesentlich bessere
Methode, wie ich fand, als einfach nach Thailand zu
reisen und die nächstbeste zwielichtige Braut aus einer
Bar an der Küste mit nach Deutschland zu schleppen, wie
so viele es machten („Sie liebt mich doch!"). Oder sich
gar auf dubiose und teure Heiratsvermittler in
Deutschland zu verlassen.
Zwei Häuser von meinem Hotel war ein neues Restaurant
das auch westliche Küche bot, ein Steak mit Pommes und
Salat war hier für 60 Baht zu haben, dieses Angebot
nahm ich ein paar Mal war. Die mittlere Stadt selbst
hatte keine großen Attraktionen, doch das gemütliche
Leben hier gefiel mir recht gut.
Wenn Touristen Udon Thani ansteuerten, dann in der
Regel um das etwa 60 Km weiter östlich liegende Dorf
Ban Chiang zu besuchen. Natürlich machte auch ich
dorthin einen Tagesausflug.
In den Siebzigern war hier ein amerikanischer Student
über alte Tonscherben gestolpert. Eine Untersuchung ergab
ein Alter von über 7000 Jahren. Ausgegrabene Bronzegeräte
hatten ein Alter von etwa 3700 Jahren, das kam für die
Fachwelt völlig unerwartet, niemand hatte so weit von
anderen Zentren entfernt in der tiefsten thailändischen
Provinz eine der ältesten Hochkulturen der Erde
erwartet.
Die Ausgrabungsstätten waren zu besichtigen und das
Museum bot für geringen Eintritt eine hervorragende
Ausstellung, die mit Modellen und Nachbauten, sowie mit
Fundstücken einen guten Einblick in das Leben während
dieser frühen Periode boten.
Trotz dem ich ab der, mitten in der Pampa gelegenen, Bushaltestelle ein ziemliches Stück
des Weges zu Fuß auf der schlechten Straße zwischen
trockenen Feldern und Tümpeln mit badenden Wasserbüffeln
zurücklegen musste, lohnte sich dieser Ausflug. Zu meiner
Schande muß ich aber gestehen, vor meinem Besuch im I-San
hatte ich keine Ahnung davon, daß diese frühe Hochkultur
überhaupt existierte.
Der Rückweg nach Udon Thani gestaltete sich einfacher, denn ein junger Mann aus dem Dörfchen beim Museum erklärte sich bereit, mich für wenige Baht mit seinem Moped an die doch ein paar Kilometer entfernt liegende Hauptstraße zu bringen.