Mein Zug lief im altbekannten „Sri Hualamphong“
Bahnhof ein. In der Räuberhöhle wollte ich diesmal nicht
mehr übernachten, sondern mir eine Bleibe im einstigen
zweiten Zentrum der Touristen in der Sukhumvit suchen (in
den „Vor-AID´s“ Zeiten das Hauptquartier jener Leute,
die, wie ein Bonmot sagte, „mit dem Bumsbomber nach
Thailand fliegen und mit dem Tripper-Clipper
zurückkehren“). Dort war auf den ersten Blick, von den
Modernisierungen abgesehen, alles beim Alten geblieben.
Bei meiner ersten Reise hatte ich während meines zweiten
oder dritten Aufenthaltes in Bangkok ebenfalls nahe der
Sukhumvit gewohnt, doch fand ich mein altes Hotel nicht
mehr. Entweder trog die Erinnerung oder es hatte sich
doch zuviel verändert. Nach einiger Suche fand ich ein
klimatisiertes Zimmer, im stickigen Bangkok recht
angenehm, in einem Hotel in dem nicht sehr viele
Touristen abstiegen.
Jetzt leistete ich mir den Luxus, in einer Filiale der
weltweit führenden Hamburgerkette einen
Fleischklops auf Gummibrötchen zu mir zu nehmen. Auch bei
den Thais war das in Mode und so war recht viel los in
der Imbißbude.
Den nächsten Tag irrte ich durch Straßenmärkte und hypermoderne klimatisierte
Einkaufszentren. Abends trieb ich mich dann in einigen Bars
herum, wo ich unter anderem auf zwei Hamburger Luden
stieß, welche zum Kauf von Frischfleisch nach Bangkok
gereist waren. Alle Gespräche aber, welche ich in diesen Kneipen mit den europäischen Gästen führte, drehten sich um käuflichen Sex, und kaum einer war zum ersten Mal in Thailand...
Ich überlegte mir, ob ich wirklich nach Koh Samet
sollte, es war klar, daß sich alles verändert
hatte.
Vielleicht wäre es doch besser, die Insel als
zauberhaftes Eiland in Erinnerung zu behalten, doch ich
dachte an meinen Schwur von vor 12 Jahren, dieses
Inselchen im Golf von Siam wieder zu besuchen.
Während ich bei meinem ersten Besuch direkt nach Rayong
gefahren war, wollte ich diesmal jedoch langsam an der
Küste entlang die Insel erreichen. Hauptzwischenziel war
die Touristenhochburg Pattaya, die inzwischen durch den
Aufstieg von Phuket viel von ihrer einstigen Bedeutung
verloren hatte.
Als erstes Ziel jedoch wählte ich zunächst Chon Buri aus.
In der Hafenstadt fand ich eine billige Unterkunft im
Hafen. Jawohl, "im" Hafen, denn mein „Hotel“ gehörte zu den
hölzernen Häusern, welche auf Pfählen ins Meer gebaut waren.
Ein großer Teil dieser angenehmen Stadt bestand noch aus
Holzhäusern. Obwohl so nahe an Pattaya, waren nur ganz
vereinzelt Weiße auf den Straßen Chon Buri's zu sehen.
Im Hafen herrschte reges Treiben, hauptsächlich von
Fischerbooten. Wer gerade am Pier stand, und dieser war sehr belebt, da viele Thais aus Bangkok hier Kurzurlaub machten, hatte die
zugeworfenen Seile der einlaufenden Kutter aufzufangen
und das Boot festzumachen. Auch mir wurde diese Ehre
zuteil, als mir ein Tau vor die Füße fiel.
Bei einem Spaziergang außerhalb des Zentrums bat mich ein
Thai um Geld, höchst ungewöhnlich in Thailand, doch war
ich mir nicht sicher, ob das nicht eine Masche war und
lehnte es ab ihm etwas zu geben. Nach ein paar Schritten
jedoch blieb ich wieder stehen und fragte per Gesten (der
Mann sprach kein Wort Englisch) ob er denn Hunger habe,
was er bejahte. Ich bedeutete ihm, mit mir zu kommen und
wir gingen ins nächstbeste Restaurant, wo ich der
chinesischen Wirtin einen entsprechenden Betrag gab, mit
dem Auftrag, den Mann essen zu lassen so viel er wolle.
Zurück auf der Straße nahm ich wahr, daß die Wirtin den
Thai befragte und ich hoffte, falls er es wirklich nötig
hatte, daß sie ihm einen Job vermitteln könne.

Dann also Pattaya, das ich bei der ersten Reise
bewusst umgangen hatte. Ich fand eine annehmbare Lodge zu
einem für Pattaya günstigen Preis nahe am
Vergügungszentrum in Meeresnähe. Um dorthin zu gelangen,
hatte ich ein Pickup vom Busstop aus genommen. Als ich
ausstieg und es ans bezahlen ging, kam es fast zu einer
Schlägerei. Der Beifahrer bedrohte mich, weil ich nur den
ausgemachten Preis bezahlen wollte, denn jetzt verlangte
er plötzlich doppelt so viel.
Der Kerl war mir körperlich überlegen und die Polizisten,
die in der Nähe standen, sahen demonstrativ weg.
Der Betrag war zu gering um mich wirklich zu schlagen und
möglicherweise hatte er sogar einen Vetter bei den Bullen
und ich bekäme obendrein Schwierigkeiten.
Ein freundlicher Empfang!
Der Strand lohnte keinen Besuch und so war die einzige
Sehenswürdigkeit von Pattaya die Touristen und ihr
Anhang, sowie die von ihnen besuchten Örtlichkeiten,
welche allerdings erst abends so richtig zum Leben
erwachten. Dann allerdings war die gesamte Straße entlang
des Ufers eine einzige Kneipe, in der tausende jüngere
und ältere männliche Touristen mit einer noch viel
größeren Zahl junger Thaimädchen schäkerten. Viele
Europäer hatten sich hier auch niedergelassen. Das Bier
floß in Strömen und Sauerkraut mit Würscht´l oder
Jägerschnitzel waren Standardgerichte.
Zwar hätte auch mich es gereizt, mal wieder heimisch zu
essen, doch angesichts der Gäste zog ich es vor, irgendwo
meinen Standardsnack, eine Nudelsuppe, zu mir zu nehmen.
Zum ersten Mal in Thailand stieß ich dabei jedoch auf
Probleme.
In einer Straße, in der es mehrere Suppenstände gab,
erkundigte ich mich vorsichtshalber nach dem Preis.
Doppelt so hoch wie normal! Ich bezweifelte, daß die
Thais, die an den Tischen saßen, soviel bezahlt hatten
und wandte mich wortlos ab. Am nächsten Stand das
gleiche, doch lieber würde ich hungern als den doppelten
Preis zu bezahlen.
Die Inhaberin des dritten Standes nannte den gleichen
Betrag, die Sache war also abgesprochen und ich wollte
mir jetzt eine andere Gegend zum Essen suchen, doch rief
sie mich geschäftstüchtig zurück, ich solle mich setzen.
So bekam ich doch noch meine Suppe zum Normalpreis,
fühlte mich aber dabei wie ein Bettler.
Als ich früh am nächsten Morgen durch die Straße mit den Bars ging, war alles tot und ich schoß ein paar Fotos, bevor ich mich dann in einen Bus setzte, der während der ganzen Fahrt der Küste folgte, die gleich hinter Pattaya wieder einen sympathisch ruhigen, ländlich tropischen Eindruck machte. Zweimal musste ich umsteigen, dann war über Rayong der Hafen Ban Phe erreicht, von dem die Boote zu meinem Endziel ablegten.
weiter...