Am Kai von Ban Phe wurde bereits mehr Englisch und Deutsch gesprochen als Thai, so hatte ich jedenfalls den Eindruck. Große Fährboote fuhren sehr oft und diese waren ausschließlich für Personenverkehr eingerichtet, das ließ mich Übles für meine einst paradiesische Insel ahnen.
Zunächst galt es herauszufinden, an welchen der
Strände ich fahren sollte, hatten doch jetzt alle mir
völlig unbekannte Phantasienamen, während sie vor 12 Jahren einfach mit dem Namen der Besitzerfamilie bezeichnet wurden. Ich besorgte mir
einen Inselplan des Nationalpark`s, zu dem die Insel
inzwischen erklärt worden war und entschied mich dann
anhand der Form der Bucht, kaufte ein Ticket und setzte
mich in das fast volle Boot, das mit seinem starken
Motor die Strecke rasch bewältigte.
Schon vom Meer aus war das Treiben am Strand und im
Wasser zu beobachten. Hütten und Restaurant`s die sich
sogar die Hügel hinaufzogen, en masse. Ich hatte die
richtige Bucht gewählt und sah, als wir in diese
einliefen, die Zerstörungen sofort. Ich meine damit nicht die
vielen Disco`s und Hütten, sondern die Kokospalmen, von
denen viele braun verfärbt waren. Dies konnte nur eine
Ursache haben, es war zuviel Wasser entnommen worden,
Meerwasser war in's Grundwasser eingedrungen und hatte
die Palmen absterben lassen. Touristen brauchen eben
mehr Wasser, bringen jedoch auch mehr Geld als
Kokosnüsse.
Ans Land wie beim letzten Mal trug mich natürlich
niemand, statt dessen stiegen wir in kleine Boote
um.
Am Ufer war ein großes Spruchband befestigt:
"Ko Samet grüßt die Viking Jugend Franken!"
Ich hatte Glück und bekam einen Bungalow direkt am
Strand. Er war teurer als im Landesinnern ein schönes
sauberes Hotelzimmer mit Air Conditioner.
Zunächst sah ich mich am Strand um, ein Betrieb
wie an den beliebten Badeorten am Mittelmeer.
Liegestühle, Luftmatratzen, Surfer und sogar mit so
einer Art Wassermotorrad raste jemand durch die
Wellen.
Ich lenkte meine Schritte hinter die Reihen der
Bungalows, dort wurde es richtig schlimm. Palettenweise
waren Schachteln mit leeren Mekong Whiskyflaschen
entzündet worden, wohl in der Hoffnung, das Glas würde
sich mit dem Rauch auflösen, statt dessen waren nur die
Flaschen zersprungen und bildeten mit den halb
verbrannten Schachteln große Haufen. Auch anderer Unrat
lag umher, teilweise halb verbuddelt. Von den alten
Hütten und sogar dem Wohnhaus der Familie, der dieses
Land gehörte, war nichts mehr zu sehen.
Ich ging in Richtung des einstigen Pfades, der ins
kleine Dorf der Insel führte und stieß auf ein Pick-Up,
das auf einer regelrechten ungeteerten Straße stand,
die mittlerweile entstanden war. Ich wurde gefragt ob
ich in das Dorf wolle, aber ich suchte weiter den Pfad,
denn ich wollte nach jener kleinen Höhle sehen, in der
einst eine Kobra wohnte. Diese war nicht mehr zu
finden, denn in der nächsten Bucht waren Bungalows bis
hinauf auf den Hang des Hügels gebaut. Ich überlegte
ob ich weiter bis zum Kloster sollte, drehte dann
jedoch um.
Am liebsten wäre ich gleich wieder auf`s Festland
gefahren, doch hatte ich meine Unterkunft schon
bezahlt.
Ich setzte mich in ein Restaurant, aß etwas und
bestellte eine kleine Flasche Mekong, aus der ich zwei
Gläser trank, während ich das Treiben am Strand
beobachtete. Eine Deutsche ließ sich mit ihrer Tochter
von einer Thai hunderte kleiner Zöpfchen ins Haar
flechten. Die Arbeit an ihrem Haar war bereits fertig
und auch bei ihrer Tochter weit fortgeschritten. Ich
war neugierig was das wohl kosten würde, war das doch
eine Arbeit von vielleicht 2-3 Stunden. Als diese
fertig war, kam der Daddy der Familie, verhandelte kurz
mit der Thai und drückte ihr dann einen 100 DM Schein
in die Hand. Ich war fassungslos, hatte der Mann für
ein paar Stunden Arbeit doch mehr als den halben
Monatslohn eines Lehrers bezahlt!
Es war kein Wunder, daß das Ansehen der Fremden bei den
Thais in den Touristenorten stark gesunken war. Das
alte Schimpfwort "Farang" für die Weißen, das früher
niemand wagte einem ins Gesicht zu sagen, war hier
jetzt allenthalben zu hören und nur wenn man dann
ärgerlich wurde, zeigte sich in den peinlich berührten
Mienen Respekt. Mittlerweile waren sogar viele Weiße
dazu übergegangen, sich selbst „Farang“ zu
nennen.
Ich nahm meine Flasche mit und setzte mich in eine
Strandkneipe. Es war Abend geworden und wer kam da
plaudernd mit drei Thai´s den Strand entlang?
Die, mittlerweile etwas gealterte, Jugendliebe des
„Skippers“, dem diese Bucht gehörte. Sie
erkannte mich natürlich nach den vielen Jahren
nicht mehr.
Ich unterhielt mich mit einem der hier arbeitenden
Thais, er stammte aus dem moslemischen Süden des
Landes, den ich als nächstes zu besuchen
gedachte.
Die einstige Geliebte des Besitzers hatte von diesem
die Pacht der besten Disco des Strandes erhalten,
geheiratet hatte er jedoch eine andere. Er war nicht
da, sondern gerade auf Urlaub in Chiang Mai und galt
als sehr reicher Mann.
Ich trank Bier und meinen Schnaps und hatte dann
Schwierigkeiten meinen Bungalow zu finden.
Am nächsten Morgen ein paar Fotos vom Strand, dann auf
die Fähre und nix wie weg. Als die Hütten kleiner
wurden, schwor ich mir, nie wieder hierherzukommen.

