Von Trang fuhr mein Bus auf neuen Straßen durch
tropisch grüne Landschaft wieder an die andere Küste. Die
Gegend war schon stark malaiisch geprägt. Moscheen hatten
die Tempel abgelöst, die Frauen trugen Kopftücher und
selbst die Polizisten hatten mandelförmige Augen und
braune Gesichter.
Bei meinem ersten Besuch in dieser Gegend herrschte hier
noch so eine Art Krieg.
Meine damalige Reisegefährtin wäre hier um ein Haar
ermordet worden.
Wir saßen im Schnellzug von Hat Yai nach Bangkok, ich mit
dem Rücken zur Fahrtrichtung, meine Begleiterin mir
gegenüber, mit dem Kopf an die Wand neben dem offenen
Fenster gelehnt. Plötzlich ein lauter Knall, ein
faustgroßer Stein traf den Rahmen des Fensters fünf
Zentimeter neben dem Gesicht meiner Freundin. Die Wucht
reichte aus, um den Stein zurück an die Stirnseite des
Wagons zu schleudern, dort prallte er wieder nach
rückwärts ab, krachte an die Rückwand um wiederum nach
vorne geschleudert zu werden und schließlich im
Waschbecken der Stirnwand zu landen, das damals jeder
dieser abteilungslosen Wagons besaß. Der Haß auf die
buddhistischen Thais hatte moslemische Malaien, denn als
solche verstanden sich diese Banditen, zu dem Mordversuch
veranlasst.
Mittlerweile hatte sich die Lage durch eine konsequente
Politik von Zuckerbrot und Peitsche Gott sei Dank
beruhigt.
Hat Yai ist die Metropole des südlichen Thailands und
von quirligem Leben erfüllt. In der Nähe des Bahnhofs
fand ich ein vernünftiges Hotel und klapperte dann
etliche Reisebüros ab, um den günstigsten Flug nach
Bangkok zu buchen. Die Einkaufsmöglichkeiten in der Stadt
waren vielfältig und stundenlang durchstreifte ich Läden
und Märkte. Schweinefleisch war in den Restaurants und
Garküchen der moslemisch geprägten Stadt nicht sehr oft
zu haben, was mir ganz recht war, denn Rindfleisch war
mir schon immer lieber gewesen.
Die Zeit bis zu meinem Abflug wollte ich jedoch in
ruhigerer Umgebung verbringen und deshalb fuhr ich nach
Songkhla. Auch hier war ich schon einmal für einige
Stunden gewesen.
Die Stadt liegt auf einer schmalen Landzunge
zwischen einer Lagune und dem Meer und war beliebtes
Ziel für einheimische Touristen, ausländische Touristen
waren nicht zu sehen. Entsprechend waren die Preise, ich
wohnte in einem kleinen aber modern und gediegen
eingerichteten gemütlichen Hotel, besichtigte den Hafen
an der Lagunenseite der Stadt und trieb mich am Strand
des Nordendes der besagten Landzunge herum.
Dieses war mit einer Art langnadeligen Kiefern
bewachsen und eine ungeheure Anzahl an großen, gelb
gesprenkelten Heuschrecken lebte in und unter diesen
Bäumen.
Leider war das Wasser zum Baden nicht sonderlich
geeignet, von den thailändischen Touristen war auf jeden
Fall niemand im Wasser.
Vor der Küste lagen zwei kleine Eilande, Insel Katz und
Insel Maus.
Im Nordostzipfel am Ende der Stadt stand die ungefähre
Kopie einer Statue, deren Original ich 10 Jahre zuvor in
Kopenhagen bestaunt hatte. Die kleine aber trotzdem
berühmte Figur einer Meerjungfrau. Ein etwas seltsames
Gefühl überkam mich; so weit entfernt der dänischen
Hauptstadt diese Figur zu sehen!
Ich besichtigte das große Anwesen eines reichen
chinesischen Kaufmanns, das als Museum eingerichtet war
und inmitten alter Häuser lag, an denen der Wandel der
Zeiten fast spurlos vorüber gegangen schien.
Eines Abends betrat ich eine Spelunke, die von einigen
Mekong trinkenden, typisch malaiisch aussehenden
Seeleuten bevölkert war, um ein Bier zu trinken. Schnell
saß man an einem Tisch. Die Männer waren Gastarbeiter aus
Indonesien und im Fischereigewerbe beschäftigt. Alle
waren sie von Heimweh geplagt und sie erzählten von ihren
kleinen Heimatinseln im Meer zwischen Singapur und
Sumatra, woher die meisten stammten. Zwar klagten sie
nicht über die Thais, der Lohn war in Ordnung, doch waren
sie schon seit langer Zeit von ihren Familien
getrennt.
Wer mit heißblütigen Malaien trinkt sollte ein wenig
darauf achten, daß sich niemand beleidigt fühlt, da sich
manch einer dann sehr leicht in seiner Ehre verletzt
fühlt. Einer wollte seine Uhr mit mir tauschen und war
gekränkt, daß ich mich nicht darauf einließ. Ich erklärte
ihm, daß meine billige Plastikuhr nur den Bruchteil
seiner Uhr wert wäre, die anderen redeten ihm gut zu und
er beruhigte sich wieder.
Songkhla war ein ruhiger Ausklang meiner Thailandreise
und leider rief mich die Arbeit zurück nach Europa. Ich
fuhr am Tag meines Fluges nach Hat Yai wo ich mich im
Reisebüro einfand. Der Transport von dort zum Flughafen
war im Preis eingeschlossen und nach vielleicht einer
Stunde landete mein Flieger in Bangkok.
Ich stieg wieder in der Lodge ab, in der ich mich auch
beim letzten Aufenthalt eingemietet hatte.
Der Besuch des Wochenend-Marktes um einige kleine
Souvenirs zu kaufen war ein Mißerfolg. Ich wusste einfach
nicht was ich kaufen sollte, ein Stand hatte wunderschönes und qualtitativ hochwertiges chinesisches Porzellan, doch wurde ich mit der Verkäuferin auch nach längerem Feilschen nicht Handelseins, es blieb mir zu teuer und so brachte ich diesmal
aus Thailand fast gar keine Mitbringsel mit nach
Hause.
Ein letztes Mal fuhr ich auf dem Fluß in die Nähe der
Post, um indisch zu essen, dann nahm ich innerlich für
immer Abschied von dieser Stadt und dem Land und begab
mich zum Flughafen, wie meist, viel zu früh.
Ganz war mein Urlaub noch nicht zu Ende, als ich am
25. Februar 1992 in die Maschine der Emirates stieg, denn
in Dubai waren laut Flugplan der Emirates zwei
Übernachtungen eingeplant, doch das war ja in einem
anderes Land...
Eines aber hatte sich erneut bestätigt: Thailand ist immer eine Reise wert!